Meine Klipsch Heresy – wie aus gutem Klang eine Kettenreaktion wurde

Von · persönliche Hörerfahrungen auf Klanggeschichten

KI-Illustration meines vintage Klipsch-Heresy-Paars mit Holzgehäusen und schwarzen Abdeckungen; Titel: Meine Klipsch Heresy
KI-Illustration nach eigenen Fotos · Kein Produktfoto.

DIE GESCHICHTE IN KÜRZE

Meine HiFi-Geschichte: Meine gebrauchten Klipsch Heresy brachten nicht nur räumlichen Klang, sondern auch Schellack, klebrige Experimente und eine Kettenreaktion. Warum mich dieses erste Hörerlebnis bis heute nicht loslässt.

Klipsch-Geschichten, Teil 2. Nach der Geschichte der Marke geht es jetzt um meine eigenen Lautsprecher. Und um die Frage, wie aus einem eigentlich sehr erfreulichen Kauf der nächste Schub einer offenbar unheilbaren Leidenschaft wurde.

Wenn man einmal mit dem Highend-Hobby angefangen hat, entwickelt sich das Ganze leider gern zu einer Kettenreaktion. Man kauft etwas, hört Musik und denkt: sensationell. Dann sitzt man eine Weile zufrieden da. Und irgendwann meldet sich dieser kleine, ausgesprochen kostspielige Gedanke: Geht da noch mehr?

Bei mir lautete die Antwort: ja. Und teuer. Wobei ich damals noch nicht wusste, dass ein Teil der folgenden Geschichte weniger mit Geld als mit Schellack und einer sehr anhänglichen Gummimasse zu tun haben würde.

Eigentlich hätte ich jetzt zufrieden sein können

Ich hatte mir endlich eine Vor- und Endstufe von McIntosh zugelegt. Wie ich dazu gekommen bin, ist eine andere Geschichte. Jedenfalls war das für mich ein großer Schritt, und beim Hören war ich begeistert. Es klang sensationell.

Damit hätte die Sache eigentlich erledigt sein können. Verstärker da, Musik gut, Mensch zufrieden. Leider gehört „erledigt“ nicht unbedingt zum Wortschatz eines HiFi-Hobbys. Denn ziemlich bald beschäftigte mich die Frage, welche Lautsprecher zu dieser Kombination passen würden.

Was passt zu McIntosh?

Also las ich mich über Wochen durch Berichte, Erfahrungen und Kombinationen. Zwei Namen begegneten mir dabei immer wieder: Sonus faber und Klipsch.

Was ich dabei auch gelernt habe: Teuer plus teuer ergibt nicht automatisch eine gute Kombination. Es hängt davon ab, ob die Geräte miteinander und die Lautsprecher zum Raum und zum eigenen Geschmack passen. Eine sehr angenehme Erkenntnis, weil sie theoretisch Geld sparen könnte. In der Praxis eröffnet sie natürlich vor allem neue Möglichkeiten für weitere Recherchen.

Accuphase-Verstärkern sagt man in HiFi-Kreisen gern nach, sie würden praktisch „alles spielen“. Ein schöner Ruf – und keine technische Garantie für jede denkbare Kombination. Nun hatte ich aber keinen Accuphase gekauft, sondern McIntosh. Also suchte ich weiter.

Am Ende landete ich bei Klipsch und den klassischen Hornlautsprechern. Die für mich bezahlbarste Lösung waren gebrauchte Heresy. Bis ich ein passendes Paar fand, vergingen noch einige Monate.

Ein Musiker, der sich nur schwer trennen konnte

Schließlich stieß ich auf eBay auf ein Paar und nahm Kontakt mit dem Verkäufer auf. Er war Musiker. Im Laufe unseres Schriftverkehrs merkte ich, wie schwer es ihm fiel, sich von den Lautsprechern zu trennen.

Das kann ich inzwischen sehr gut verstehen. Bei solchen Dingen verkauft man manchmal eben mehr als zwei Holzgehäuse mit Lautsprecherchassis. Trotzdem wurden wir uns einig, und ich kaufte die Heresy. Sie kamen zuverlässig und gut verpackt bei mir an.

Da standen sie nun. Eigentlich bereit zum Musikhören. Aber ich habe durch meine Oldtimer und die Beschäftigung mit alten Teilen eine gewisse Eigenschaft entwickelt. Oder nennen wir es einen Tick: Ich möchte Dinge gern wieder herrichten. Aus alt mach schöner. Dass sie bereits funktionieren, ist dabei offenbar kein ausreichendes Gegenargument.

Klipsch Heresy aufarbeiten: Aus alt mach Arbeit

Leider begegnete mir in dieser Phase das Thema Schellack. Es klang nach einer schönen Möglichkeit, den Holzgehäusen wieder Glanz zu geben. Und schön wurden sie tatsächlich. Der Weg dorthin war allerdings deutlich länger, als ich mir das vorgestellt hatte.

Mehrere Schichten, immer wieder Arbeit, wieder Zeit, wieder die nächste Schicht. Für jemanden, der das noch nie gemacht hat, war das eine ausgesprochen gründliche Einführung in die Frage, wie viel Aufwand in einer glänzenden Holzoberfläche stecken kann.

Wenn du jetzt denkst: Das probiere ich auch mal eben – streich das „mal eben“. Ich würde es selbst nicht noch einmal machen. Die Heresy sahen hinterher richtig gut aus. Aber vermutlich hätte ich ein für mich ähnlich schönes Ergebnis auch anders und deutlich einfacher erreichen können.

Immerhin wusste ich anschließend sehr genau, warum die Oberfläche glänzte. Ich hatte ausreichend Zeit mit ihr verbracht.

Und dann saß ich einfach nur da

Als ich die Heresy zum ersten Mal an meiner neuen Verstärkerkombination hörte, war das für mich eine echte Erleuchtung. Ich erinnere mich noch daran, wie ich staunend vor der Anlage saß und kaum glauben konnte, wie Musik klingen kann.

Sie war plötzlich räumlich gestaffelt. Nicht einfach nur links und rechts. Ich hatte das Gefühl, dass sie über mir und um mich herum stattfand. Dass sich eine Aufnahme so im Raum entfalten konnte, fand ich unfassbar.

Das ist mein persönliches Hörerlebnis mit dieser Anlage und diesen Lautsprechern. Aber es erklärt ziemlich gut, warum mich das Hobby seitdem nicht mehr loslässt. Denn dieser Moment löste leider auch das Highend-Fieber aus: Wenn das schon so klingt – was wäre dann noch möglich?

Man könnte sagen, die Heresy haben mich glücklich gemacht. Sie haben allerdings auch sehr erfolgreich verhindert, dass ich mich dauerhaft damit zufriedengebe.

Die Hörner und eine sehr anhängliche Masse

Natürlich blieb es nicht beim Anschließen und Hören. Aufgrund eines YouTube-Berichts beschäftigte ich mich mit der Möglichkeit, die Hörner von außen zu bedämpfen. Also begann ich auch damit zu experimentieren.

Das Material war selbstklebend und bestand aus einer speziellen, gummiartigen Masse. Selbstklebend ist in diesem Fall keine beiläufige Produkteigenschaft. Das Zeug sollte halten. Und es hielt. Praktisch an allem.

Am Ende war es nicht nur dort, wo ich es haben wollte, sondern gefühlt überall drumherum. Über Monate versuchte ich, die Spuren dieser Optimierung wieder von verschiedenen Dingen abzubekommen. Das Material nahm seine Aufgabe offenbar wesentlich ernster als ich die Vorbereitung meines Arbeitsplatzes.

Die Bedämpfung saß außen am Horn, nicht im Horn. Bei meinen Versuchen gefiel mir die Variante mit Material oberhalb und unterhalb besser. Die Seiten ließ ich frei, weil eine zusätzliche Bedämpfung dort für meine Ohren zu steril klang.

Mit der schließlich gewählten Variante empfand ich den Klang als sauberer. Für mich hatte sich der Aufwand deshalb gelohnt. Das war mein subjektiver Eindruck bei meinen Heresy, keine Messung und keine allgemeine Regel, nach der jedes Horn genauso behandelt werden sollte.

Kabel kamen natürlich auch noch dazu

Später experimentierte ich auch mit Kabeln. Wie könnte es anders sein? Wer einmal angefangen hat, findet zuverlässig eine weitere Stelle, an der sich etwas ausprobieren lässt.

Aber das ist eine andere HiFi-Voodoo-Geschichte. Für diesen Beitrag reicht es erst einmal, dass ich an den Lautsprechern Holz, Hörner und meine Geduld gründlich bearbeitet hatte.

Die Heresy sind geblieben

Dass ich später auf Cornwall umgestiegen bin, bedeutet übrigens nicht, dass ich die Heresy verkauft habe. Ich habe sie noch.

Ich kann mich unglaublich schlecht von solchen Dingen trennen. Gerade wenn Erinnerungen daran hängen. Und bei diesen Lautsprechern hängen nicht nur Erinnerungen dran, sondern auch mehrere Schichten Schellack und ein sehr eindrückliches erstes Hörerlebnis.

Mein Bestand an HiFi-Geräten dürfte inzwischen ausreichen, um fünf Haushalte ordentlich auszustatten. Ich betrachte das natürlich als umfassende Vorbereitung auf einen bisher nicht eingetretenen Bedarf.

Was für mich bleibt

Der Anfang einer Kettenreaktion

Warum später die deutlich größeren Cornwall bei mir eingezogen sind und was sie für mich verändert haben, erzähle ich in einem weiteren Beitrag. Die Heresy waren jedenfalls der Anfang. Und zwar ein ziemlich guter.

Ein Abschluss war dieser Kauf allerdings nicht. Eher die nächste Zündung.

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