Teil 2 meiner Geschichte über den Lautsprecherbau des Michi Path MK1: Aus der Planung ist ein Handbuch mit 181 Seiten geworden. Hier geht es um die Dokumentation, die Gehäusefertigung beim Schreiner und die Frage, warum ich mir das alles antue.
Teil 1 lesen: Vom Vorbild zum eigenen Lautsprecher →
Inzwischen sind es 181 Seiten
Das vielleicht Verrückteste an der ganzen Geschichte ist allerdings die Dokumentation.
Ursprünglich wollte ich mir nur ein paar technische Daten und Maße notieren.
Inzwischen ist daraus ein Handbuch mit 181 Seiten geworden.
Darin geht es nicht nur darum, welche Bauteile ich verwende. Ich wollte vor allem verstehen und festhalten, warum sie verwendet werden und welche Auswirkungen unterschiedliche Entscheidungen haben können.
Es gibt Kapitel über Gehäusevolumen, Schallwandgeometrie, Resonanzen, Dämmmaterialien, Frequenzweichen, Verkabelung, Aufstellung und vieles mehr.
Dazu kommen Zeichnungen, Stücklisten, Kostenübersichten und konkrete Anleitungen für den Bau.
Das Ganze ist inzwischen fast schon eine Einführung in die Frage, wie ein Lautsprecher eigentlich funktioniert.
Wobei ich bei der Beschäftigung damit vor allem eines gelernt habe: Je mehr man versteht, desto deutlicher wird, wie viel man noch nicht weiß.
Das Handbuch ist deshalb auch keine Sammlung unumstößlicher Wahrheiten, sondern die Dokumentation meines eigenen Lernprozesses.
Und vermutlich wäre es einfacher gewesen, einfach fertige Lautsprecher zu kaufen.
Aber dann hätte ich eben auch viel weniger gelernt.
Ob das alles noch normal ist?
Kommt vermutlich darauf an, wen ich frage.
Glücklicherweise kenne ich einige Menschen, die meine Begeisterung teilen, mich bei solchen Projekten unterstützen und bei Fragen gerne mitdenken. Die verstehen sogar, warum man sich tagelang mit der Position eines Hochtöners oder der Länge eines Bassreflexrohres beschäftigen kann.
Der Rest schüttelt wahrscheinlich nur den Kopf.
Und ich muss zugeben: Wenn ich mir inzwischen die 181 Seiten meines Handbuchs anschaue, kann ich beide Seiten irgendwie verstehen.

Der Schreiner baut – und wird langsam zum Therapeuten
Aktuell entstehen die Gehäuse bei Herrn Tschaar, auf dessen Webseite www.tschaar.de ich bei meinen ursprünglichen Recherchen zum DeVore-Selbstbau gestoßen bin.
Er hat viel Erfahrung mit solchen Lautsprecherprojekten. Und vermutlich auch mit Menschen wie mir, die mit einer vermeintlich einfachen Idee anfangen und irgendwann mit immer neuen Fragen, Sonderwünschen und technischen Überlegungen auftauchen.
Inzwischen habe ich manchmal das Gefühl, dass Herr Tschaar neben seiner handwerklichen Arbeit auch noch eine Art therapeutische Funktion übernimmt.
Denn ich kann ihn wirklich alles fragen. Auch Dinge, bei denen ich bei anderen vermutlich erst einmal überlegen würde, ob ich mich damit nicht völlig lächerlich mache.
Das Schöne ist, dass er meine Fragen versteht, geduldig darauf eingeht und die notwendige Erfahrung mitbringt, um meine Überlegungen auch einmal aus der praktischen Perspektive zu betrachten.
Ich vermute, wer häufiger Lautsprecher für begeisterte Selbstbauer fertigt, entwickelt mit der Zeit nicht nur ein gutes Gespür für Holz und Akustik, sondern auch für die Eigenheiten seiner Kunden.
Und davon dürfte ich inzwischen einige zu bieten haben.
Meine Lautsprecher unterscheiden sich jedenfalls an zahlreichen Stellen von den üblichen DeVore-inspirierten Nachbauten. Das macht die Sache nicht unbedingt einfacher – weder für ihn noch für mich.
Während die Gehäuse gebaut werden, warten bei mir schon viele der später benötigten Bauteile. Einige davon liegen tatsächlich seit mindestens einem Jahr bereit.
Man könnte also sagen: Die Lautsprecher sind teilweise schon ziemlich alt, bevor sie überhaupt ihren ersten Ton gespielt haben.
Wenn die Gehäuse fertig sind, folgen der weitere Aufbau, die Bedämpfung, die Montage der Chassis und schließlich die Abstimmung der Frequenzweichen.
Erst dann wird sich zeigen, ob meine Überlegungen tatsächlich zu dem Klang führen, den ich mir vorstelle.
Und natürlich besteht die Möglichkeit, dass ich an einigen Stellen noch einmal nacharbeiten muss.
Nach 181 Seiten Theorie wäre es jedenfalls etwas vermessen zu behaupten, dass am Ende alles auf Anhieb perfekt funktioniert.
Gut, dass ich dann jemanden habe, den ich fragen kann.
Ob Herr Tschaar allerdings auch für die psychologische Betreuung nach dem ersten Hörtest zuständig ist, haben wir bisher noch nicht geklärt.






Warum ich das alles dokumentiere
Neben der Freude am eigenen Projekt gibt es noch einen anderen Grund für das umfangreiche Handbuch.
Wenn die Lautsprecher am Ende so klingen, wie ich es mir erhoffe, möchte ich die vollständige Dokumentation anderen Interessierten zur Verfügung stellen.
Mit den verwendeten Bauteilen, den Maßen, den technischen Zeichnungen und den Erfahrungen aus der tatsächlichen Abstimmung.
Vielleicht hat jemand Lust, diesen Lautsprecher ebenfalls zu bauen. Vielleicht übernimmt jemand nur einzelne Ideen oder entwickelt daraus ein ganz anderes Konzept.
Genau das finde ich am Selbstbau so spannend: Man muss nicht bei dem stehen bleiben, was andere bereits gemacht haben.
Natürlich möchte ich zunächst selbst herausfinden, ob sich all die Überlegungen bewähren. Ein noch nicht fertig gebauter Lautsprecher ist schließlich vor allem eines: ein Versprechen.
Aber wenn dieses Projekt funktioniert, soll das Wissen dahinter nicht in irgendeinem Ordner auf meiner Festplatte verschwinden.
Und warum macht man so etwas überhaupt?
Diese Frage ist durchaus berechtigt.
Ich habe bereits sehr gute Lautsprecher. Meine Klipsch Cornwall beispielsweise machen mir seit Jahren große Freude. Es gibt also keinen wirklichen Bedarf, sie durch etwas Neues zu ersetzen.
Und wer jetzt glaubt, dass der Selbstbau vor allem eine günstige Alternative zu den kostspieligen DeVore-Lautsprechern ist, den muss ich leider enttäuschen.
Zwar werde ich mit meinem Projekt voraussichtlich bei ungefähr einem Drittel dessen landen, was die Originale kosten. Aber ein Schnäppchen ist das deshalb noch lange nicht.
Wenn ich alle Bauteile, die aufwendige Gehäusefertigung, das Furnier, die Frequenzweichen und die vielen Kleinigkeiten zusammenrechne, kommt eine durchaus beachtliche Summe zusammen.
Für dieses Geld hätte ich mir auch schon sehr interessante gebrauchte Highend-Lautsprecher kaufen können.
Und dabei ist meine eigene Arbeitszeit noch nicht einmal berücksichtigt. Würde ich die ebenfalls berechnen, wäre das Projekt wirtschaftlich vermutlich endgültig nicht mehr zu rechtfertigen.
Aber darum ging es mir irgendwann auch gar nicht mehr.
Ich wollte nicht einfach nur einen besonderen Lautsprecher besitzen. Ich wollte verstehen, wie er entsteht, warum er so konstruiert ist und welchen Einfluss die vielen kleinen Entscheidungen auf den späteren Klang haben.
Zu erleben, wie aus einer ersten Idee nach und nach ein eigenes Konzept entsteht. Wie man sich mit Dingen beschäftigt, von denen man vorher kaum etwas wusste. Wie aus Fragen neue Fragen werden und man plötzlich über die Position eines Hochtöners, die Geometrie einer Bassreflexöffnung oder die richtige Bedämpfung eines Gehäuses nachdenkt.
Und dabei immer wieder feststellt, dass die Dinge komplizierter sind, als man ursprünglich angenommen hatte.
Das ist für mich ein wesentlicher Teil des Hobbys.
Im Highend-Bereich kommt man ohnehin offenbar nie ganz am Ziel an. Es gibt immer noch etwas, das man ausprobieren, verändern oder vermeintlich verbessern könnte.
Manchmal sind das nachvollziehbare technische Unterschiede. Manchmal bewegt man sich allerdings auch in Bereichen, in denen aus Wissenschaft schnell Glaubensfragen werden.
Spätestens bei manchen Diskussionen über Kabel, Stecker und andere klangverbessernde Wunderwerke fragt man sich, ob man noch über Elektrotechnik oder schon über eine besondere Form der Esoterik spricht.
Ganz frei von solchen Versuchungen bin ich vermutlich selbst nicht.
Aber gerade deshalb möchte ich bei diesem Projekt möglichst viel verstehen, nachvollziehen und später auch überprüfen können.
Ob Michi Path MK1 am Ende besser klingt als meine vorhandenen Lautsprecher, weiß ich noch nicht.
Vielleicht wird er einfach anders klingen. Vielleicht trifft er mein persönliches Klangideal besonders gut. Vielleicht werde ich auch feststellen, dass manche meiner Überlegungen in der Praxis nicht die erhoffte Wirkung haben.
Das gehört dazu.
Was für mich bleibt
Mehr als ein Handbuch
Was ich aber jetzt schon weiß: Ich hätte mir für das Geld auch fertige Lautsprecher kaufen können. Aber die hätten mir nicht diese Erfahrungen, dieses Wissen und die Freude am eigenen Entwickeln gegeben.
Und allein deshalb hat sich dieser ziemlich ausgeartete Nachbauversuch schon gelohnt.
Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass nach 181 Seiten Planung am Ende nicht nur ein beeindruckendes Handbuch, sondern auch ein beeindruckend klingender Lautsprecher herauskommt.
Sonst hätte ich immerhin eines der aufwendigsten Projekte meines Lebens abgeschlossen, um herauszufinden, warum meine alten Klipsch Cornwall eigentlich schon ziemlich gut waren.
Die Geschichte geht weiter. Sobald die Gehäuse fertig sind, folgt Teil 3 mit dem weiteren Aufbau. Danach geht es um Frequenzweichen, Abstimmung und die ersten Hörversuche.
DeVore – das Original
Warum ich John DeVores Arbeit bewundere
John DeVore hat etwas geschaffen, das mich unglaublich begeistert: Lautsprecher, die außergewöhnlichen Klang mit einem ebenso außergewöhnlichen Design verbinden. Gerade die Orangutan-Modelle wirken für mich wie wunderschöne Möbelstücke. Die breiten Fronten, die Holzoberflächen, die Proportionen – das hat eine ganz eigene Handschrift. Diese Verbindung aus Gestaltung und Musik bewundere ich.
So gerne ich ein Paar davon kaufen würde: Sie haben einen stolzen Preis. Und genau daraus entstand irgendwann die Frage, ob ich selbst etwas in dieser Richtung bauen könnte. Das war der Anfang meines eigenen DIY-Lautsprecherprojekts.
Als ich dann mehr über John DeVore gelesen habe, musste ich schmunzeln. Auch er begann als Student mit dem Selbstbau, weil er sich die Lautsprecher, die ihn begeisterten, nicht leisten konnte. Insofern bin ich mit meinem Projekt tatsächlich ein kleines Stück auf seinem Pfad unterwegs.
Aus meiner Suche nach einem DeVore-Nachbau ist inzwischen der Michi Path MK1 geworden – mit eigenen Entscheidungen, vielen Fragen und einem beträchtlichen Lernprozess. Aber ohne John DeVore und seine Lautsprecher hätte diese Reise vermutlich nie begonnen.
Weiterführende Infos
John DeVore und seine Lautsprecher
Der Musiker und Lautsprecherentwickler gründete DeVore Fidelity im Jahr 2000. Nach Angaben des Herstellers werden seine Lautsprecher bis heute von Hand in Brooklyn, New York, gefertigt.
Die aktuelle Orangutan-Familie umfasst micr/O, O/baby, O/93, O/96, O/Bronze und das vierteilige O/Reference-System. Daneben bietet DeVore die schlankeren Standlautsprecher gibbon Super Nine und gibbon X an.
Auf seinem YouTube-Kanal teilt John DeVore auch seine Gedanken zu Musik und HiFi. Weitere Einblicke gibt es auf Instagram.
Quellen und Hintergründe
DeVore Fidelity: John DeVore und die Unternehmensgeschichte · Herstellerangaben zur Fertigung · Aktuelle Modellübersicht
Dust & Grooves: Interview über Musik, Platten und seinen Weg zum Lautsprecherbau
Recherchestand: 22. Oktober 2026. Design- und Klangbewertung: meine persönliche Einschätzung.
HiFi-Geschichten
Zum Weiterentdecken
181 Seiten Planung sind erst der Anfang. Hier findest du die Menschen und Hintergründe hinter dem Michi Path MK1 – für den Fall, dass ein paar eigene Notizen ebenfalls ausarten.
Externe Links öffnen in einem neuen Tab.



Deine Meinung zur Geschichte