1982 veröffentlicht, war Avalon das achte und zugleich letzte Studioalbum von Roxy Music. Und vielleicht kommt auf Avalon noch einmal alles zusammen, was diese Gruppe besonders gemacht hat.
Es gibt Platten, bei denen vom ersten bis zum letzten Titel alles zusammenpasst. Avalon gehört für mich eindeutig zu dieser Kategorie und ist für mich die beste Platte von Roxy Music.
Das Album ist unglaublich atmosphärisch: elegant, ruhig, fast schwebend und trotzdem voller Spannung. Man hört nicht einfach einzelne Songs, sondern bewegt sich durch eine Klangwelt, Song für Song.
Bryan Ferry singt dort über Liebe, Sehnsucht, Verführung und Nähe – aber meist nicht über den euphorischen Anfang. Eher über den Moment danach: Die Party ist vorbei, die Nacht wird stiller und plötzlich stellt sich die Frage, ob das, was gerade vollkommen wirkt, überhaupt bleiben kann.
Die Songs klingen gleichzeitig sinnlich und melancholisch, luxuriös und immer ein wenig einsam.
Viele Songs waren vor den Aufnahmen noch gar nicht vollständig geschrieben. Sie entstanden erst im Studio aus Rhythmen, Klangflächen und Fragmenten. Schicht für Schicht wurde daraus diese außergewöhnlich geschlossene Klangwelt.
Eine Stimme aus dem Nachbarstudio
Eine besonders schöne Geschichte gibt es zum Titelsong: Bryan Ferry hörte die haitianische Sängerin Yanick Étienne zufällig in einem benachbarten Studio und holte sie spontan dazu. Nach seiner Erinnerung sang sie ihren Beitrag in einem einzigen Take ein. Ihre Stimme wirkt weniger wie klassischer Begleitgesang als wie ein eigenes Instrument – und genau das gibt Avalon diese geheimnisvolle, entrückte Atmosphäre.
Für mich ist auf dieser Platte wirklich jedes Lied stark. Kein Titel wirkt wie Füllmaterial, keiner fällt aus der Stimmung heraus.
Dazu kommt die außergewöhnliche Aufnahmequalität. Avalon klingt bis heute räumlich, warm und fein aufgelöst. Bryan Ferrys Stimme steht präsent im Raum, während sich Gitarren, Synthesizer, Bass und all die kleinen Details darum verteilen.
Deshalb ist das Album für mich auch heute noch für Highend- und HiFi-Fans eine hervorragende Testplatte. Aber am Ende geht es nicht nur um Klangqualität, sondern um die Atmosphäre, die diese Platte wie kaum eine andere verkörpert.
Meine erste Begegnung mit Avalon
Vielleicht verbindet mich mit dieser Platte auch deshalb so viel, weil ich sie zum ersten Mal bei meinem Vater gehört habe. Er hatte damals einen neuen Thorens-Plattenspieler. Ich setzte mir die Kopfhörer auf – und war sofort völlig fasziniert. Von der Musik, von diesem Klang und ehrlich gesagt auch von dem Plattenspieler.
Für mich klingt Avalon wie die schönste Stunde einer Nacht – und gleichzeitig wie der Moment, in dem man bereits spürt, dass sie bald vorbei sein wird.
Album erschienen am 28. Mai 1982. Hintergründe: Roxy Music · Bryan Ferry zur Aufnahme.
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