In Color – Snow Day

Von · persönliche Hörerfahrungen auf Klanggeschichten

Eigene Illustration: schwarze Schallplatte mit hellem Label „In Color – Snow Day“, EP 2025, auf silbergrauem Hintergrund.

DIE GESCHICHTE IN KÜRZE

Sechs Songs, die Zeit verdienen: In Colors erste EP „Snow Day“ überrascht mit Gitarren, Melodien und Wendungen, die man nach den ersten Sekunden noch nicht erwartet.

Für meine Freunde des Indie-Rock – und für die, die es vielleicht noch werden wollen.

Denn Snow Day ist für mich so eine Platte, bei der man eine wichtige Regel beachten sollte: Nicht nach den ersten Sekunden entscheiden. Einfach laufen lassen.

Wobei „Platte“ eigentlich schon etwas großzügig ist: Snow Day ist die erste EP von In Color, sechs Songs, gut 20 Minuten, erschienen am 3. Oktober 2025.

Eine Band entsteht im Schneesturm

Hinter In Color stecken Holden Clontz, Matthew Hastings, Val Hoyt und Miles Laderman, vier Musiker aus Nashville, die schon lange miteinander befreundet sind und vorher in unterschiedlichen Bands und Projekten Musik gemacht hatten. Und die Geschichte, wie daraus In Color wurde, gefällt mir fast genauso gut wie die Musik.

Anfang 2024 zog ein heftiger Schneesturm über Nashville. Die vier beschlossen, sich gemeinsam einschneien zu lassen. Musikalisch waren sie zu dieser Zeit alle ein bisschen unzufrieden mit dem, was sie gerade machten. Also verbrachten sie ein paar Tage miteinander, machten Musik, redeten – und erinnerten sich offenbar daran, warum sie überhaupt einmal damit angefangen hatten.

Als der Schnee geschmolzen war, schrieb Val in die gemeinsame Gruppe sinngemäß: Wir sollten eine Band gründen.

Das war der Anfang von In Color. Und deshalb heißt ihre erste EP auch Snow Day.

Musikalisch nennen sie Einflüsse, die von Coldplay, Kings of Leon und U2 bis zu den Beatles und Michael Jackson reichen. Und diese Mischung hört man. Das ist Indie-Pop, Alternative und Rock – aber nichts davon so eindeutig, dass man die sechs Songs bequem in eine Schublade stecken könnte.

Und genau da fing Snow Day an, für mich spannend zu werden.

Songs, die ihre Richtung ändern

Bei „Headlights“ ging es ziemlich schnell. Da war relativ früh dieser Moment, an dem ich dachte: Ja, das hat was.

Bei „Is There Anyone?“ war es komplett anders. Die ersten Sekunden liefen und ich dachte tatsächlich: Das wird nichts. Und dann, nach vielleicht 20 Sekunden, setzen diese Gitarren ein – und plötzlich hatte mich der Song.

Das ist überhaupt das Spannende an dieser EP: Jeder Song findet irgendwann einen anderen Weg, mich zu kriegen.

Mal ist es der Gitarrensound. Mal die Stimme. Mal eine Melodie. Und manchmal ist es eine Wendung im Sound, mit der ich überhaupt nicht gerechnet habe: Eben noch ganz still und zurückgenommen – und plötzlich wird daraus richtig Rock.

Und manches, was in den ersten Sekunden noch etwas schwierig oder sperrig wirkt, entwickelt einen solchen Sog, dass daraus irgendwann ein (fast) Headbanger wird.

Der Musik Zeit geben

Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich Snow Day auch Leuten empfehlen würde, die mit Indie-Pop oder Indie-Rock bisher nicht besonders viel anfangen konnten. Die Songs verlangen nicht, dass man das Genre versteht. Man muss ihnen nur etwas geben, was wir Musik heute manchmal kaum noch geben:

Zeit.

Nicht nach zehn Sekunden weiterklicken. Nicht sofort entscheiden. Einfach laufen lassen.

Denn bei Snow Day weiß man nach den ersten 15 Sekunden manchmal noch gar nicht, welcher Song daraus eine Minute später geworden sein wird.

Und genau das hat mich an diesen sechs Songs irgendwann richtig gepackt.

Also: Für meine Freunde des Indie-Rock – und für die, die es vielleicht noch werden wollen.

Einmal Snow Day starten. Nicht skippen. Und schauen, welcher Moment euch zuerst kriegt, bin gespannt!

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