Für alle, denen mein eigentliches Album der Woche ein bisschen zu rockig war: Hier kommt das Gegenteil.
Und diesmal wird es sehr persönlich.
Wenn ich mich auf eine Platte festlegen müsste, die mich in den vergangenen Jahren emotional am meisten berührt hat, wäre es wahrscheinlich „Seasons“ von Lloyiso von 2023. ❤️ Okay, ganz korrekt ist Seasons kein Album, sondern seine erste EP. Aber das ist mir in diesem Fall ziemlich egal.
Eine Stimme, die etwas mit einem macht
Denn es gibt gute Sänger, es gibt außergewöhnliche Sänger und dann gibt es Stimmen, die etwas mit einem machen. Lloyiso gehört für mich unbedingt zur letzten Kategorie.
Ich muss sogar gestehen: Es gibt Momente, in denen mir diese Stimme tatsächlich die Tränen in die Augen drückt. Nicht weil die Musik traurig sein muss. Sondern wegen dieser unglaublichen Mischung aus Kraft, Wärme und Verletzlichkeit in seiner Stimme. Manchmal reicht eine einzige Passage – und da ist er: dieser Gänsehautmoment.
Dabei passen seine Texte erstaunlich gut zu seiner Stimme. Es geht um Liebe und Trennung, Verletzlichkeit und Selbstzweifel, aber auch darum, sich selbst wiederzufinden und anzunehmen. „Give A Little Kindness“ ist dafür vielleicht eines der schönsten Beispiele: Sei mit dir selbst genauso verständnisvoll und freundlich, wie du es gegenüber anderen Menschen bist.
Gospel-Wurzeln und moderner Soul
Vielleicht liegt ein Teil dieser besonderen Wirkung seiner Stimme auch in seiner Geschichte. Lloyiso ist mit Kirchenmusik aufgewachsen, sang schon als Kind in der Kirche und später im Chor. Diese Gospel-Wurzeln hört man bis heute: in der Kraft, den großen Bögen und vor allem in dieser unglaublichen Emotionalität seiner Stimme. Seine Musik ist deshalb aber keineswegs Gospel oder Kirchenmusik. Lloyiso verbindet diese Wurzeln mit modernem Pop, Soul und R&B und arrangiert seine Songs teilweise geradezu cineastisch. Er selbst nennt neben Gospel so unterschiedliche Einflüsse wie Sam Smith, Beyoncé, Labrinth oder sogar Kanye West. Vielleicht ist es genau diese Mischung, die mich so berührt: die Seele und Intensität des Gospel – aber übersetzt in großartig produzierte, moderne Songs.
Dass ich mit meiner Begeisterung für diese Stimme offenbar nicht ganz alleine bin, zeigt eine ziemlich schöne Geschichte.
Als Lloyiso mit Clean Bandit in Südafrika zusammenkam, soll er beim gemeinsamen Schreiben irgendwann einfach angefangen haben zu singen. Grace Chatto von Clean Bandit erzählte später, sie habe noch nie etwas Vergleichbares gehört. Sie nahm die Melodie auf und schickte sie nach London – daraus entstand schließlich „Believe“.
Und ausgerechnet dieser Song passt perfekt zu Lloyiso: Es geht darum, an sich selbst zu glauben und sich selbst zu wählen – auch dann, wenn man zweifelt.
Never Thought I Could
2026 kam nun endlich sein erstes richtiges Album: „Never Thought I Could (Part 1)“.
Sieben Songs, gerade einmal gut 21 Minuten – und wieder diese Stimme.
Rain. Higher. High. Fragile Things. Scary. Fade Away. Lost & Found.
Das Album erzählt von Selbstzweifeln und Aufbruch, von Beziehungen, die vielleicht gerade nicht funktionieren können, vom Loslassen und davon, sich selbst wiederzufinden.
Und der Titel hat noch eine zweite Bedeutung: Lloyiso musste seinen eigenen Weg finden, um die Musik so machen und veröffentlichen zu können, wie er sie empfindet – und nicht so, wie andere ihn gerne hören wollten.
Das „Part 1“ lässt übrigens nicht nur hoffen: Lloyiso hat inzwischen bestätigt, dass Part 2 bereits fertig ist.
Einfach weiterhören
Normalerweise würde ich an dieser Stelle drei oder vier Songs auswählen und sagen: Hört euch die einmal an. Bei Lloyiso mache ich das nicht.
Hört Seasons. Hört das neue Album. Hört „Believe“ mit Clean Bandit. Hört „Real Love“ mit Martin Garrix. Und wenn ihr danach noch nicht genug habt, hört einfach weiter. Eigentlich sollte man alles von ihm hören.
Ich verspreche euch nicht, dass euch jeder Song gefallen wird. Musik ist viel zu persönlich dafür, aber etwas anderes wage ich zu versprechen: Irgendwann kommt dieser eine Moment. Diese Stimme. Diese eine Stelle und dann habt ihr ihn auch – euren Lloyiso-Gänsehautmoment.


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