Manchmal reicht ein einziger Song, um mich für eine Künstlerin zu begeistern. Bei Remi Wolf waren es gleich zwei.
Zuerst war da „Bottle“. Was für eine Nummer! Dieser unglaublich lebendige Sound, der treibende Rhythmus, die überraschenden musikalischen Wendungen und dann diese Stimme! Ich hatte sofort Gänsehaut, fing unweigerlich an mitzuwippen und hätte am liebsten laut mitgesungen – oder besser gesagt: mitgeschrien.
Und dann kam „I Won’t Cry“. Musikalisch ganz anders, aber nicht weniger eindringlich. Der Song beginnt fast vorsichtig und steigert sich immer weiter, bis Remi Wolf ihre Gefühle regelrecht herausschreit.
Beide vorab veröffentlichten Singles landeten sofort in meiner persönlichen Playlist. Und ich war wirklich gespannt, ob das angekündigte Album dieses Niveau halten könnte.
Am 9. Oktober 2026 erschien schließlich Mud, ihr drittes Studioalbum.
Und was soll ich sagen? Ich hatte hohe Erwartungen. Aber dass mich gleich das ganze Album so begeistern würde, hätte ich nicht unbedingt gedacht.
Für mich war ziemlich schnell klar: Das ist meine nächste Platte der Woche!
Wenn hinter mitreißender Musik ernste Geschichten stecken
Was mich an Mud zusätzlich fasziniert: Hinter dieser oft unglaublich mitreißenden Musik stecken teilweise ziemlich ernste Geschichten.
Remi Wolf verarbeitet eine schwierige Lebensphase. Eine schmerzhafte Trennung, ihren Umgang mit Alkohol, emotionale Unsicherheit und den Versuch, wieder zu sich selbst zu finden.
Der Albumtitel Mud, also Schlamm, steht sinnbildlich für diese Zeit. Für das Gefühl, festzustecken, im eigenen Gefühlschaos zu versinken und irgendwie wieder herauskommen zu müssen.
Dazu passt auch das ungewöhnliche Cover: Remi Wolf, über und über mit Schlamm bedeckt – und trotzdem mit einem breiten Lächeln im Gesicht.
Und genau so klingt für mich dieses Album.
Da geht es um Liebeskummer, Abhängigkeit, Enttäuschungen und Selbstzweifel. Aber statt daraus elf traurige Songs zu machen, verwandelt sie diese Erfahrungen in Musik, die vor Energie sprüht, manchmal regelrecht explodiert und einen immer wieder überrascht.
Ich finde diesen Gegensatz großartig. Man hört Musik, die unglaublich viel Spaß macht, und entdeckt dahinter Geschichten, die alles andere als leicht sind.
„Bottle“ – was für eine Nummer!
Ich komme noch einmal auf „Bottle“ zurück, weil dieser Song für mich wirklich herausragt.
Da ist dieser Groove, der einen sofort erwischt. Instrumente kommen dazu, verschwinden wieder, der Rhythmus verändert sich, und Remi Wolfs Stimme springt zwischen spielerisch, rau und unglaublich kraftvoll hin und her.
Ich liebe solche Arrangements! Man glaubt, der Song habe seine Richtung gefunden, und plötzlich passiert wieder etwas völlig Unerwartetes. Und trotzdem klingt nichts davon zusammengebastelt.
Das ist für mich richtig clever inszenierte Musik.
Und dann erfährt man, dass es in „Bottle“ ausgerechnet um ihren schwierigen Umgang mit Alkohol geht. Um den Wunsch, damit aufzuhören, und die Versuchung, doch wieder zur Flasche zu greifen.
Eigentlich ein ziemlich bedrückendes Thema. Und daraus macht sie einen Song, bei dem ich kaum still sitzen kann.
Vielleicht ist genau das die Kunst: Sie erzählt etwas Schmerzhaftes, ohne dass die Musik selbst darunter zusammenbrechen muss.
„I Won’t Cry“ – diese Stimme!
Bei „I Won’t Cry“ passiert etwas völlig anderes.
Der Song erzählt von einer verlorenen Liebe, von Sehnsucht und dem Schmerz, jemanden nicht zurückbekommen zu können.
Am Anfang wirkt alles noch zurückgenommen. Dann baut sich die Musik langsam auf, ihre Stimme wird eindringlicher, und irgendwann bricht die ganze Emotion heraus.
Und genau solche Momente liebe ich.
Wenn eine Stimme plötzlich so viel Gefühl transportiert, dass man gar nicht mehr darauf achtet, wie technisch perfekt jemand singt. Man hört einfach nur noch zu.
Eine schöne Geschichte gibt es auch zur Entstehung: Während eines Songwriting-Aufenthalts in Big Bear soll Remi Wolf das Stück innerhalb von etwa drei Stunden geschrieben und aufgenommen haben. Als sie das Demo später Freunden vorspielte, hätten einige am Ende geweint.
Das überrascht mich überhaupt nicht.
Ihre Stimme hat diese seltene Fähigkeit, gleichzeitig verletzlich und unglaublich kraftvoll zu sein. Und wenn sie sich in diesem Song richtig gehen lässt, hat das für mich etwas beinahe Befreiendes.
„Guess“ – ruhig und trotzdem irgendwie laut
Die folgende Deutung des Songtexts ist meine persönliche Lesart – keine wörtliche Erklärung von Remi Wolf.
Und dann ist da „Guess“. Eine Gitarre, ihre Stimme und ein vergleichsweise reduziertes Arrangement. Fast klassischer Singer-Songwriter-Sound.
Aber irgendwie ist diese Musik ruhig und gleichzeitig unglaublich laut. Nicht wegen der Lautstärke, sondern wegen der Emotionen, die darin stecken.
Im Text geht es um eine Beziehung voller unerfüllter Erwartungen. Um das Gefühl, ständig erraten zu müssen, was der andere möchte, während die eigenen Bedürfnisse auf der Strecke bleiben. Und um die schmerzhafte Frage, warum man selbst so viel gibt und trotzdem nicht das bekommt, wonach man sich sehnt.
Remi Wolf hat erzählt, dass „Guess“ zu den Songs gehört, in denen sie sich besonders verletzlich zeigt.
Und ehrlich gesagt: Das hört man dem Song auch an.
Ihre Stimme klingt manchmal beinahe zerbrechlich und im nächsten Moment unglaublich eindringlich. Die Gitarren geben dem Ganzen eine gewisse Rauheit. Obwohl musikalisch gar nicht so viel passiert, hat das Stück eine enorme Kraft.
Ich finde, gerade hier zeigt sich, was für eine außergewöhnliche Sängerin Remi Wolf ist.
Eine Platte, bei der man nie weiß, was als Nächstes kommt
Das ist überhaupt etwas, das mich an Mud so begeistert: Diese musikalische Unberechenbarkeit.
Da beginnt ein Stück fast wie Indie-Rock, bekommt plötzlich einen Soul- oder Funk-Groove und landet bei einem großen Pop-Refrain. Und das manchmal innerhalb desselben Songs!
Andere Nummern sind viel reduzierter, fast folkig oder erinnern an klassischen Singer-Songwriter-Sound.
Auch die übrigen Songs haben ihre eigenen Geschichten. „Twiggy“ erzählt von einem emotional nicht erreichbaren Partner, „Covered in Mud“ vom Erkennen der eigenen Probleme und der Schwierigkeit, sich wirklich zu verändern. „Jamie“ wird zur düsteren Geschichte über Liebe und Verlust.
Bei „Moon So High“, an dem John Mayer mitwirkt, wird es ruhiger, bevor „Yellow Rose“ die Platte nachdenklich abschließt.
Was für eine musikalische Bandbreite! Und trotzdem habe ich nie das Gefühl, hier würden einfach verschiedene Stilrichtungen wahllos zusammengeworfen. Das hat alles eine eigene Handschrift.
Ein Sound, der lebt
Als ich mich näher mit der Entstehung von Mud beschäftigt habe, wurde mir auch klarer, warum diese Platte so klingt.
Remi Wolf arbeitete mit ihrem langjährigen Produzenten Jared Solomon, bekannt als Solomonophonic, und befreundeten Musikern unter anderem in Big Bear in Kalifornien. Gemeinsam schreiben, spielen, ausprobieren – und nicht jede spontane Idee gleich wieder glattbügeln.
Später entstanden weitere Aufnahmen in den Electric Lady Studios in New York und in Joshua Tree. Remi Wolf spielte teilweise sogar selbst Schlagzeug.
Und das hört man für mich.
Die Musik klingt lebendig. Nicht steril, nicht auf Hochglanz poliert, sondern voller kleiner Überraschungen.
Ich mag es, wenn man beim Hören merkt, wie viel Kreativität in einem Arrangement steckt. Wenn plötzlich ein Instrument auftaucht, der Rhythmus kippt oder eine Stimme etwas völlig Unerwartetes macht.
Auf einer guten HiFi-Anlage macht das natürlich besonders viel Spaß. Nicht weil Mud unbedingt eine audiophile Referenzaufnahme wäre, sondern weil es in diesen Songs einfach unglaublich viel zu entdecken gibt.
Meine persönliche Empfehlung
Was für mich bleibt
Ich liebe solche musikalischen Entdeckungen.
Zwei Singles haben mich neugierig gemacht, beide landeten sofort in meiner Playlist. Und dann kommt das Album – und ist tatsächlich noch besser, als ich gehofft hatte.
Remi Wolf hat mich mit Mud wirklich erwischt.
Mit ihrer Stimme, diesem eigenwilligen Sound, den überraschenden Arrangements und der Fähigkeit, innerhalb weniger Minuten zwischen völlig unterschiedlichen musikalischen Welten zu wechseln.
Und seit ich weiß, welche persönlichen Geschichten hinter vielen dieser Songs stecken, höre ich die Platte noch einmal mit anderen Ohren.
Für mich ist Mud eine dieser Platten, bei denen man nach dem letzten Song am liebsten gleich wieder von vorne anfangen möchte.
Die einzelnen Songs, die ich hier erwähnt habe, sind für mich großartig. Aber das ganze Album braucht einen anderen Moment: einen ruhigen Ort oder Kopfhörer und die Zeit, es von Anfang bis Ende auf sich wirken zu lassen.
Mir ging es jedenfalls so. Im Auto nebenbei oder einfach als Beschallung hat Mud bei mir nicht richtig funktioniert. Als ich es dann mit Kopfhörern komplett durchgehört habe, habe ich die Platte regelrecht gefeiert. Erst da kam dieses Gesamtpaket bei mir an – die Stimme, die überraschenden Arrangements und die vielen kleinen Dinge, die beim beiläufigen Hören untergehen.
Meine Empfehlung deshalb: Unbedingt anhören! Gerne etwas lauter. Und wenn ihr bei „Bottle“ plötzlich mitwippt, Gänsehaut bekommt und am liebsten laut mitsingen möchtet – dann geht es euch genauso wie mir.
Quellen zum Artikel
Associated Press · Elise Ryan · Besprechung von Mud · 9. Oktober 2026
Universal Music · 25. September 2026 · Entstehung von I Won’t Cry und Albumproduktion
USC Thornton · 17. September 2026 · Ausbildung, Produktion und Titelliste
FIS · Remi Wolf · frühere Skirennläuferin
Remi Wolf · offizielle Veröffentlichungen
Recherche: 17. Oktober 2026. Persönliche Höreindrücke und Songdeutungen stammen von Michael Buller.
Die Platte eingeordnet
So klingt dieses Album
- Musikrichtungen
- Indie · Funk · Soul · Pop · Rock · Folk
- Albumtyp
- Drittes Studioalbum · 9. Oktober 2026 · 11 Songs
- Klang und Besetzung
- Gesang · Gitarren · Bass · Schlagzeug · Liveinstrumente; John Mayer wirkt bei „Moon So High“ mit.
- Meine drei Anspieltipps
- Bottle · I Won’t Cry · Guess
Die Veröffentlichung
Alle Songs auf Mud
Digitale TIDAL-Referenzausgabe · 11 Songs · 43:55 Minuten
| Nr. | Song | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | BottleIm Beitrag besonders erwähntTIDAL · Spotify | 4:18 |
| 2 | Champagne | 3:31 |
| 3 | Twiggy | 3:29 |
| 4 | Burn Me Blue | 3:22 |
| 5 | Jamie | 5:06 |
| 6 | Covered In Mud | 3:51 |
| 7 | Moon So High · John Mayer | 3:46 |
| 8 | I Won’t CryIm Beitrag besonders erwähntTIDAL · Spotify | 4:20 |
| 9 | Wine Drunk | 4:24 |
| 10 | GuessIm Beitrag besonders erwähntTIDAL · Spotify | 3:37 |
| 11 | Yellow Rose | 4:11 |
Über diese Veröffentlichung
Erschienen: 9. Oktober 2026
Künstlerin: Remi Wolf
Rechteangabe der digitalen Referenzausgabe: © 2026 Remi Wolf, under exclusive license to Island Records, a division of UMG Recordings, Inc.
Quelle: TIDAL. Titelliste und Laufzeiten beziehen sich auf diese Ausgabe; Spotify rundet einzelne Laufzeiten anders. Geprüft am 17. Oktober 2026.
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Remi Wolf – Mud · Standard LP
Offiziell als Bubblegum-Pink-Vinyl mit bedruckter Innenhülle und Poster beschrieben.
Der offizielle US-Shop verlangt eine US-Rechnungs- und Lieferadresse. Ein nach Deutschland lieferbares Angebot ist hier noch nicht bestätigt. Preis und Verfügbarkeit bitte im Shop prüfen.
Vinyl-Angebote zuletzt geprüft am 17. Oktober 2026.
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Remi Wolf verbindet musikalische Unberechenbarkeit mit Funk, Soul, Indie, Rock und Pop. Entdecke ihre Musik und erfahre danach mehr über die Künstlerin hinter Mud.
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Über die Künstlerin
Remi Wolf
Remi Wolf wurde 1996 in Kalifornien geboren. Bevor sie sich ganz der Musik widmete, war sie als Jugendliche ambitionierte Skirennläuferin. Später studierte sie an der USC Thornton School of Music.
Mit Juno (2021) und Big Ideas (2024) entwickelte sie ihren ungewöhnlichen Mix aus Indie, Funk, Soul, Rock und Pop. Mud (2026) zeigt eine persönlichere, stärker von Liveinstrumenten geprägte Seite.
Ihr Markenzeichen ist die musikalische Unberechenbarkeit. Ein Song beginnt wie Indie-Rock, bekommt plötzlich einen Funk-Groove und endet mit einem großen Pop-Refrain.
Für Mud schrieb sie nach eigenen Angaben rund 130 Songs, von denen es nur elf auf das Album schafften. Ihr Anspruch war, dass jedes Stück auch mit einer einfachen akustischen Gitarre funktionieren und emotional berühren sollte.
Und dann gab es noch ein herrlich ungewöhnliches Auswahlkriterium: die sogenannte „SpongeBob Ascendance“. Ein Song sollte einen so mitreißen, dass man sich beinahe wie der vor Begeisterung schwebende SpongeBob aus dem bekannten Internet-Meme fühlt.
Eigentlich eine ziemlich passende Beschreibung für das, was ihre Musik auslösen kann.
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Bildhinweis: Gestaltung von Klanggeschichten, KI-bearbeitet. Das runde Motiv auf dem Plattenlabel basiert auf dem Cover von Remi Wolf – Mud; es ist keine unveränderte Originalabbildung. Quelle: offizielle Veröffentlichungsseite.



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