Le Petit nach Jean Hiraga – Lautsprecherbau, Teil 2: die kleine Diva

Von · persönliche Hörerfahrungen auf Klanggeschichten

Meine HiFi-Geschichte: Le Petit – Teil 2: die kleine Diva. Le-Petit-Lautsprecher im warmen Licht. Eigenes Titelmotiv.

DIE GESCHICHTE IN KÜRZE

Meine Le Petit sind fast fertig: selbst gebaute Ständer, Kupferanschlüsse und der erste Hörtest. Warum mich diese Breitbandlautsprecher begeistern – und weshalb ich sie kleine Divas nenne.

Der erste Ton war der Moment, auf den ich seit Weihnachten hingearbeitet hatte. Bis dahin waren meine Le Petit vor allem ein Projekt aus Holz, Furnier, Filz und ziemlich viel Staub. Jetzt mussten sie zeigen, ob sich die ganze Arbeit auch beim Musikhören auszahlen würde.

Meine Partnerin hörte zu, staunte und grinste. Ich musste ebenfalls grinsen. Allerdings merkte ich bald: Diese kleinen Lautsprecher haben ihren eigenen Kopf. Mit manchen Aufnahmen begeistern sie mich sofort. Mit anderen fehlt mir etwas. Genau deshalb sind sie für mich kleine Divas geworden.

Bevor es so weit war, brauchte es aber noch Ständer, Anschlüsse und ein paar Korrekturen an meinen gestalterischen Ideen. Der Weg zum fertigen Paar war weniger geradlinig, als ich gehofft hatte.

Zum ersten Teil: Gehäusebau, Fostex-Chassis und mein erstes Furnier →

Die Ständer: eine gute Idee mit mehreren Anläufen

Nach einem Besuch im Baumarkt baute ich passende Lautsprecherständer. Die Gehäuse hatte ich inzwischen so aufwendig furniert, dass die Ständer optisch mithalten sollten. Meine erste Idee war eine Beschichtung mit Schlagmetall. Ich stellte mir eine interessante Stahloptik vor.

Nach sehr vielen aufgetragenen Blättern stand das Ergebnis vor mir. Und sah leider überhaupt nicht so aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Immerhin wusste ich inzwischen, wie die Technik funktioniert. Ich wusste nur nicht mehr, warum ich sie ausgerechnet hier hatte anwenden wollen. Man könnte es einen Fehlversuch nennen. Ich bevorzuge „aufwendige Weiterbildung mit anschließender Schleifarbeit“.

Also kam alles wieder herunter. Schleifen, neu grundieren, lackieren. Schwarz wirkte deutlich ruhiger und ließ dem Furnier der Lautsprecher den Vortritt.

Die nächste Überraschung wartete in der oberen Platte. Ich hatte sie genau auf die Gehäusegröße abgestimmt. Runde Ausschnitte sollten die Lautsprecherfüße aufnehmen, damit die Boxen sicher stehen. Nur waren die Öffnungen an einer Seite ein paar Millimeter größer, als es das Brett erlaubte. Plötzlich hatte ich ein Loch in der Seitenwand.

Mein Rettungsversuch war zusätzliches Furnier rund um den Ständer. Damit ließ sich die Stelle schließen, aber die Gestaltung wurde unruhig. Also wieder abschleifen und schwarz lackieren. Nur die obere Fläche behielt ihr Furnier.

Manche Entscheidungen versteht man offenbar erst richtig, wenn man sie zweimal gemacht hat. Die Ständer sollten ursprünglich nur die Lautsprecher tragen. Inzwischen trugen sie auch einen beachtlichen Teil meiner handwerklichen Lernkurve. In die Aufnahmen für die Lautsprecherfüße kamen schließlich mehrere Filzlagen. Auch unter den Ständern brachte ich zwei Lagen Filz an. Damit wollte ich die Auflage polstern und Einwirkungen von außen verringern. Eine gemessene klangliche Wirkung kann ich daraus nicht ableiten.

Kupfer, Messing und die letzten Millimeter

Für die Kabelanschlüsse verwendete ich 10 × 10 Zentimeter große Kupferplatten. Die passende Aussparung ins fertige Furnier zu schneiden, gehörte zu den Arbeiten, bei denen ich besonders langsam wurde. Hier war wenig Spielraum für einen zweiten Versuch.

Auf dem Foto ist das Kupfer noch geschützt, damit es nicht verkratzt. Die Beschriftung sollte später per Laser folgen. Die Vorlage dafür machte mir Christian – dafür an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön.

Auch die Schrauben suchte ich nach ihrer Wirkung im Gesamtbild aus: Messing-Rundkopfschrauben aus dem Bootsbau, deren Köpfe ich sogar polierte. In der HiFi-Welt wird gelegentlich über den Einfluss von Schraubenmaterial auf den Klang diskutiert. Meine Entscheidung war viel einfacher: Das Messing passte zum Holz und zum Kupfer. Dass ich dafür sogar Schraubenköpfe polierte, sagt vermutlich mehr über die Auswüchse meines Hobbys aus als über die Akustik.

Wie klingt die Le Petit bei mir?

Schon der Bau hat mir Freude gemacht. Ich hatte zum ersten Mal furniert, Gehäuse gebaut, gelötet und eine Reihe kleiner Probleme gelöst. Trotzdem hätte ich mich geärgert, wenn am Ende nur zwei hübsche Holzkästen herausgekommen wären.

Zum Glück blieb es nicht dabei. Mit passenden Aufnahmen klingen die Le Petit für mich außergewöhnlich gut. Stimmen stehen sauber im Raum, einzelne Instrumente lassen sich verfolgen, und die Bühne reicht erstaunlich weit in die Tiefe. Gerade bei feinen, eher leisen und zugleich vielschichtigen Stücken bleibe ich gerne sitzen und höre genauer hin.

Gitarren und Trommeln gehören ebenfalls zu den Dingen, die mich auf ihnen besonders ansprechen. Es ist dieser Eindruck, dass sich eine Aufnahme öffnet und ich ihren Aufbau besser wahrnehme. Dass dafür pro Gehäuse ein einziges Breitbandchassis arbeitet, erstaunt mich immer wieder.

Besonders viel Spaß macht mir Yello. Manche Stücke passen so gut zu den Le Petit, dass ich unwillkürlich an ihnen hängen bleibe. Die kleinen Lautsprecher vermitteln dabei eine Räumlichkeit und Detailfreude, die ich ihnen vor dem Bau nicht selbstverständlich zugetraut hätte.

Eine kleine Diva hat auch ihre Grenzen

Das gilt allerdings nicht für jede Aufnahme. Bei manchen Stücken fehlt mir Bass. Dann wünsche ich mir mehr Fundament, und die Begeisterung fällt geringer aus. Diese Eigenheit war mir aus den Berichten anderer Selbstbauer bereits bekannt; bei mir zu Hause konnte ich sie nun selbst hören.

Ein zusätzlicher Tieftonlautsprecher war deshalb schon damals eine Überlegung. Kaum war der erste Selbstbau fast fertig, fiel mir also schon die nächste mögliche Baustelle ein. Offenbar kann ich selbst beim Musikhören noch Arbeit entdecken. Zunächst wollte ich aber die Le Petit für sich kennenlernen. Ein Lautsprecher muss für mich nicht mit jedem Musikstück gleich überzeugend sein, um einen festen Platz im Hobby zu bekommen. Diese beiden machen bestimmte Aufnahmen auf eine Weise interessant, die ich sehr gerne wiederhöre.

Meine Eindrücke beziehen sich auf mein Paar, meine Anlage und die damalige Aufstellung. Sie sind ein persönlicher Hörbericht, kein allgemeines Testergebnis für jeden Le-Petit-Nachbau.

Eine Hörprobe und meine Le-Petit-Playlist

Eine kurze Aufnahme mit Yello habe ich damals unverändert mit meinem iPhone aufgenommen: Le Petit – meine Hörprobe auf YouTube ansehen →. Das Video dokumentiert den Moment. Wie die Lautsprecher im Raum tatsächlich klingen, lässt sich über das Telefonmikrofon und die anschließende Wiedergabe natürlich nur begrenzt beurteilen.

Damit ich meine Lieblingsaufnahmen für dieses Paar schnell wiederfinde, habe ich außerdem eine eigene Sammlung angelegt: Meine Le-Petit-Playlist auf TIDAL hören →. Darin stehen Stücke, die mir mit diesen Lautsprechern besonders viel Freude machen. Vielleicht entdeckst du darin auch etwas für deine Anlage.

Was von diesem Bauprojekt bleibt

Anfang Januar 2023 waren die Lautsprecher fast fertig. Die Beschriftung der Anschlüsse stand noch aus, und auch über ihren endgültigen Platz musste ich nachdenken. Aber die entscheidende Frage war beantwortet: Ja, für mich hatte sich dieser Selbstbau gelohnt.

Was für mich bleibt

Ich hatte neue handwerkliche Dinge gelernt und konnte anschließend mit etwas Musik hören, das ich selbst gebaut hatte. Die Fehler gehören für mich zu dieser Geschichte dazu. Beim nächsten Mal würde ich einiges anders angehen. Ohne diesen ersten Versuch wüsste ich allerdings gar nicht, was.

Eine Aufgabe war am Schluss noch offen: das Zimmer wieder aufräumen. Nach all dem Schleifen lagen Staub, Werkzeug und Materialreste praktisch überall. Die Lautsprecher spielten schon. Nur die Werkstatt war noch weit vom fertigen Zustand entfernt. Vielleicht ist Aufräumen deshalb der schwierigste Teil des Lautsprecherbaus: Es macht weder den Klang besser noch die Lautsprecher schöner. Leider merkt man ziemlich schnell, wenn man es weglässt.

Nachtrag vom 9. Oktober 2026: Die kleinen Divas brauchten Zeit

Was ich damals noch lernen musste: Bei meinen Le Petit war mit dem fertigen Gehäuse die Entwicklung offenbar noch nicht abgeschlossen. Nach Hunderten Stunden Laufzeit hat sich mein Höreindruck deutlich verändert. Die Schwierigkeiten, die ich anfangs mit manchen Musikstücken hatte, sind für mich inzwischen vollständig verschwunden. Ich führe diese Veränderung auf das Einspielen der Chassis zurück. Das ist meine Erfahrung mit diesem Paar über längere Zeit, kein kontrollierter Vergleich.

Heute lasse ich zusätzlich eine aktive Bassreflexbox mitlaufen. Der Tiefbass der Le Petit bleibt konstruktionsbedingt begrenzt, und die dezente Ergänzung gibt der Musik für mich noch etwas mehr Fundament und der Bühne mehr Tiefe. Ich schalte sie allerdings wirklich nur ganz wenig dazu. Die Le Petit klingen auch allein für mich ausreichend; die zusätzliche Box rundet das Ganze eher ab, als dass sie sich in den Vordergrund spielt.

Mein erstes Urteil würde ich heute deshalb anders formulieren. Die kleinen Divas sind deutlich unkomplizierter geworden. Offenbar war nicht nur beim Bauen Geduld gefragt, sondern anschließend auch beim Hören. Ausgerechnet die einzige Arbeit an diesem Projekt, bei der ich weder schleifen noch etwas bestellen musste, habe ich zunächst unterschätzt: einfach Musik laufen lassen.

Die zweiteilige Le-Petit-Geschichte: Teil 1 – wie alles begann →

Diese Geschichte erschien ursprünglich am 12. Januar 2023 auf Michi’s Oldtimer. Für Klanggeschichten habe ich sie am 9. Oktober 2026 neu erzählt und gegliedert. Der Haupttext beschreibt die damalige Etappe meines Projekts; der datierte Nachtrag ergänzt meine heutige Hörerfahrung.

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