Musik ein zweites Mal entdecken – Teil 1

Von · persönliche Hörerfahrungen auf Klanggeschichten

Meine HiFi-Geschichte: Musik ein zweites Mal entdecken – Teil 1. McIntosh MA252 mit grün leuchtenden Röhren vor dunklem, warmem Hintergrund.

DIE GESCHICHTE IN KÜRZE

Vom ersten selbst gebauten Lautsprecher über den Sony DD Walkman bis zu McIntosh und Klipsch: Wie meine Begeisterung für HiFi begann – und wieder erwachte.

Ich stelle in letzter Zeit immer häufiger fest, dass ich Songs, die ich teilweise seit 30 oder 40 Jahren kenne, plötzlich noch einmal neu entdecke. Nicht, weil sich die Songs verändert hätten. Sondern weil ich mich verändert habe – und vor allem die Art, wie ich heute Musik höre.

Wie alles begann

Wenn ich darüber nachdenke, ist das eigentlich eine ziemlich lange Geschichte. Schon als Kind konnte ich stundenlang in meinem Zimmer sitzen und Musik hören. Alan Parsons Project, Jean-Michel Jarre und vieles andere. Angefangen hat das mit eher trivialen HiFi-Sachen. Irgendwann bekam ein Freund meiner Mutter einen ziemlich großen Einfluss auf mich.

Er war Konzertmanager, hörte selbst unglaublich viel Musik und wurde für mich über die Jahre viel mehr als nur ein Freund der Familie. Ich war ein bisschen wie sein Ziehsohn. Durch ihn war ich auf vielen Konzerten, die er organisierte, durfte backstage dabei sein und bekam schon als ziemlich junger Mensch Einblicke in eine Welt, die ich wahnsinnig spannend fand. Ich habe ihm einiges zu verdanken – aber das ist eine ganz eigene Geschichte.

Für diese Geschichte ist etwas anderes wichtig: Er war es auch, mit dem ich meine ersten eigenen (Drei-Wege-)Lautsprecher baute. Dazu gab es einen tollen Verstärker, später ein Tapedeck. Und damit war etwas geweckt: diese Faszination dafür, dass dieselbe Musik auf unterschiedlichen Anlagen plötzlich ganz anders klingen kann.

Musik zum Mitnehmen

Und dann kam etwas, das für meine Generation wahrscheinlich kaum zu überschätzen ist: der Walkman.

Heute klingt es fast banal. Aber plötzlich konnte man seine eigene Musik mitnehmen. Kassette rein, Kopfhörer auf – und die Musik, die vorher an das eigene Zimmer und die Stereoanlage gebunden war, war auf einmal überall dabei. Ich fand das sensationell.

Zu meinem Geburtstag bekam ich dann einen Sony DD Walkman. Und das war damals nicht irgendein Walkman. Die DD-Serie gehörte zu den hochwertigen und entsprechend teuren Geräten von Sony. Der ursprüngliche WM-DD kostete Anfang der 80er in Deutschland ungefähr 300 bis 350 Mark – nicht nur für einen Jugendlichen damals ein kleines Vermögen.

Ich weiß heute noch, wie unglaublich stolz ich auf dieses Ding war. Es war wahrscheinlich das schönste Geburtstagsgeschenk, das ich je bekommen habe. Ich fand nicht nur großartig, was er konnte. Ich fand ihn einfach wunderschön: die Mechanik, die Tasten, die Materialien, dieses kompakte Design.

Und offenbar ist davon einiges hängen geblieben. Denn heute besitze ich wieder einen (oder zwei) Sony DD. Brauchen tue ich ihn natürlich überhaupt nicht. Aber wenn ich ihn heute in die Hand nehme, finde ich sein Design noch genauso großartig wie damals. Und irgendwie erinnert er mich daran, wie aufregend es einmal war, seine eigene Musik überhaupt überallhin mitnehmen zu können.

Später habe ich lange Geld zusammengespart, weil ich unbedingt einen Revox-CD-Player haben wollte. Auch das war für mich ein richtig großes Ding. Die CD war neu, modern und versprach perfekten Klang. Rückblickend war HiFi damals schon einmal das, was es heute wieder für mich ist: die Neugier darauf, wie gut Musik eigentlich klingen kann.

Dann ist diese Begeisterung irgendwann etwas eingeschlafen. Nicht die Liebe zur Musik. Und ich hatte auch später keine schlechten Anlagen. Aber mein Musikhören wurde rückblickend irgendwie flacher, funktionaler. Anlage an, Musik an, hören. Fertig. Ich habe Musik gehört, aber mich nicht mehr intensiv damit beschäftigt, wie ich sie eigentlich höre.

Die Neugier auf Klang kehrt zurück

Das änderte sich vor ungefähr zehn Jahren ziemlich schlagartig. Ich kaufte mir eine McIntosh C40 Vorstufe mit einer MC7150 Endstufe. Dazu kamen zunächst Klipsch Heresy und später Klipsch Cornwall.

Und die Cornwalls waren schon beim Ankommen ein Erlebnis. Ich wusste natürlich, dass sie groß sind. Zumindest theoretisch. Wenn dann aber zwei solche Lautsprecher tatsächlich vor einem stehen, ist das noch einmal etwas anderes. Ich war im ersten Moment ehrlich gesagt etwas überfordert. Die Dinger sind wirklich groß.

Dann habe ich sie angeschlossen.

Und plötzlich stand Musik im Raum.

Das war für mich tatsächlich eine Offenbarung. Musik kam nicht mehr einfach von links und rechts. Eine Stimme konnte plötzlich vor mir stehen, ein Instrument dahinter, ein anderes seitlich und manches hinter mir (mit zwei Lautsprechern vor einem!). Da waren Abstände, Tiefe und Räume. Auf einmal konnte Musik tatsächlich dreidimensional klingen.

Allerdings haben die Klipsch Heresy und Cornwalls noch eine andere Eigenschaft. Es sind Hornlautsprecher und sie reagieren extrem auf ihre Aufstellung. Ein bisschen anders eingedreht, einen Zentimeter vor oder zurück – und die räumliche Abbildung kann sich komplett verändern. Ich habe ewig ausprobiert, bis ich die Position gefunden hatte, in der sie für mich richtig spielten.

Ein paar Zentimeter und eine kleine Katastrophe

Was zu einer kleinen Geschichte führt, über die ich heute (mittlerweile) lachen kann.

Eine Freundin meiner Lebensgefährtin hat einmal bei uns übernachtet. Offenbar standen ihr diese beiden nicht ganz unauffälligen Cornwalls etwas im Weg. Also hat sie sie kurzerhand ein bisschen verschoben. 😉

Ich kam später ins Zimmer und dachte nur: Was ist denn hier passiert (ich hätte weinen können)?

Natürlich hatte sie keine Ahnung, was sie damit angerichtet hatte. Woher auch? Für sie waren es einfach zwei ziemlich große Lautsprecher, die im Weg standen. Für mich waren ein paar Zentimeter eine kleine Katastrophe.

Ich habe danach tatsächlich Monate gebraucht, bis ich die Position wieder so gefunden hatte, dass es für mich stimmte.

Jedenfalls war mit McIntosh und Klipsch etwas zurückgekommen, das ich lange verloren hatte: diese unglaubliche Neugier auf Klang. Ein Innuos-Streamer kam dazu, ein separater DAC, andere Netzteile, spezielle Steckdosen und und und. Ich begann mich mit Kabeln zu beschäftigen und irgendwann, sie selbst zu bauen. Immer wieder ausprobieren, hören, zurückbauen und sich fragen: Was davon höre ich wirklich? Was verändert tatsächlich etwas?

Eine HiFi-Anlage ist wahrscheinlich nie fertig

Und natürlich die gefährlichste aller HiFi-Fragen:

Was kann man noch verbessern?

Die Antwort darauf ist leider ziemlich einfach: Irgendetwas findet man immer. Eine HiFi-Anlage ist wahrscheinlich nie fertig.

Zurück zum Lautsprecherbau

Irgendwann kam dann noch etwas zurück, das ich zuletzt als Jugendlicher gemacht hatte: Lautsprecher selbst bauen. Über den YouTube-Kanal I Am Mad bin ich auf die Le Petit (ein Breitband) gestoßen und habe sie gebaut. Und damit schloss sich für mich irgendwie ein Kreis zu diesen ersten selbstgebauten Drei-Wege-Lautsprechern meiner Jugend.

Heute stehen bei mir sowohl die Klipsch Heresy als auch die großen Cornwalls, mittlerweile ist außerdem ein McIntosh MA252 dazugekommen (und einiges mehr 🤔).

Und gerade entsteht schon wieder mein nächstes Lautsprecherprojekt. Ausgangspunkt war eine DeVore Orangutan. Inzwischen habe ich allerdings so viel verändert und nach meinen eigenen Vorstellungen angepasst, dass daraus eigentlich mein eigener Lautsprecher geworden ist.

Und natürlich bin ich schon jetzt gespannt darauf, was der wieder anders macht.

Wie diese Geschichte weitergeht, erzähle ich in Musik ein zweites Mal entdecken – Teil 2. Mein Lautsprecherprojekt findest du in Le Petit nach Jean Hiraga – mein Lautsprecherbau.

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Ein Kommentar zu „Musik ein zweites Mal entdecken – Teil 1“

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