Emeli Sandé – Live at the Royal Albert Hall: Eine Stimme, die bleibt

Von · persönliche Hörerfahrungen auf Klanggeschichten

Platte der Woche: Emeli Sandé – Live at the Royal Albert Hall. Schwarze Schallplatte mit illustriertem Porträt auf dem weißen Label.

DIE GESCHICHTE IN KÜRZE

Ein Livealbum von 2013, das mich bis heute berührt: die Geschichte hinter Clown, eine besondere Stimme und ein Abend in der Royal Albert Hall.

Eine Platte der Woche muss für mich nicht neu sein. Manchmal ist es ein Album, das einen schon lange begleitet und beim Wiederhören sofort daran erinnert, warum. Live at the Royal Albert Hall von Emeli Sandé ist so eine Platte. Aufgenommen im November 2012, erschienen im Februar 2013 – und für mich bis heute ein ganz besonderes Musikerlebnis.

Ich mag Emeli Sandé schon lange. Ihre Stimme hat etwas, das mich unmittelbar berührt. Da ist eine Wärme, aber auch eine Entschlossenheit. Man glaubt ihr, was sie singt. Und auf diesem Live-Album kommt das für mich besonders stark zum Ausdruck.

Was mich dabei immer wieder beeindruckt: Selbst wenn sie kraftvoll singt, wird ihre Stimme für mich nie drückend. Es fühlt sich nicht nach zu viel an. Die Kraft unterstreicht das, was sie gerade ausdrücken möchte. Genauso tragen die leisen Stellen. Diese Nähe bleibt erhalten, auch wenn ihre Stimme den ganzen Raum ausfüllt.

Ein besonderer Abend

Als Emeli Sandé am 11. November 2012 in der Londoner Royal Albert Hall auftrat, lag ein außergewöhnliches Jahr hinter ihr. Im Februar war ihr Debütalbum Our Version of Events erschienen. Im Sommer hatte sie bei der Eröffnungs- und der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in London gesungen. Und nun stand sie in diesem ausverkauften Saal.

Die Aufnahme hält einen frühen Höhepunkt ihrer Karriere fest. Band, Streicher und Begleitstimmen geben den Songs Raum. Dann wieder wird alles kleiner und unmittelbarer. Professor Green kommt für „Read All About It“ dazu, Labrinth für „Beneath Your Beautiful“. Trotzdem ist es für mich vor allem die Stimmung, die Emeli Sandé selbst erzeugt, die diesen Abend so besonders macht.

Ich frage mich bei solchen Aufnahmen immer wieder, welchen Anteil die Royal Albert Hall daran hat. Von dort kommen so viele besondere Live-Alben. Vielleicht ist es auch das Wissen um diesen Ort, das beim Hören mitschwingt. Hier jedenfalls entsteht für mich eine Atmosphäre, die man nicht einfach nebenbei wahrnimmt.

„Clown“ – da kommen mir die Tränen

„Clown“ gehört für mich zu ihren stärksten Liedern. Und diese Live-Version ist eine der intensivsten. Wenn ich sie höre, können mir tatsächlich die Tränen kommen.

Der Song hat für Emeli Sandé eine persönliche Geschichte. Er handelt von ihren frühen Erfahrungen in der Musikbranche, als sie nach einem Plattenvertrag suchte. Sie saß in Gesprächen mit Leuten, die offenbar nicht recht wussten, was sie mit ihr anfangen sollten. Sie wurde beurteilt, sollte in Vorstellungen anderer passen und wollte doch als eigene Künstlerin ernst genommen werden.

Aus diesem Gefühl entstand „Clown“: sich vor anderen zeigen, deren Urteilen ausgesetzt sein und dabei die eigene Würde bewahren. Wenn man diesen Hintergrund kennt, bekommt das Lied an diesem Abend noch einmal eine andere Bedeutung. Jetzt steht sie in der Royal Albert Hall vor Menschen, die ihretwegen gekommen sind, und singt über eine Zeit, in der das alles keineswegs selbstverständlich war.

Vielleicht berührt mich gerade diese Verbindung so: die Verletzlichkeit in dem Lied und gleichzeitig die Kraft, mit der sie es singt. Sie muss das Gefühl nicht größer machen. Es ist längst da.

Ein Album, bei dem ich dranbleibe

Auch „Breaking the Law“ hat einen sehr persönlichen Hintergrund. Sandé schrieb das Lied für ihre Schwester – über die Bereitschaft, für einen geliebten Menschen selbst die eigenen Regeln zu überschreiten. Solche Geschichten geben den Songs Nähe, ohne dass man sie unbedingt kennen muss, um sie zu spüren.

Mit „I Wish I Knew How It Would Feel to Be Free“ verneigt sie sich außerdem vor Nina Simone, einem ihrer musikalischen Vorbilder. Zwischen solchen Momenten, den ruhigen Liedern und den großen Refrains entwickelt das Konzert einen ganz eigenen Fluss.

Für mich ist das kein Album, das bloß im Hintergrund läuft. Ich fange an und bleibe eigentlich bis zum Schluss dabei. Die leisen Stellen ziehen mich hinein, die kraftvollen nehmen mich mit. Und irgendwann denke ich: Wie gern wäre ich an diesem Abend dort gewesen.

Meine persönliche Empfehlung

Was für mich bleibt

Ich habe Emeli Sandé schon live erlebt. Sie ist großartig. Aber dieses Album hält für mich einen ganz besonderen Moment fest: unglaublich atmosphärisch und intensiv, von Anfang bis Ende.

2027 geht sie zum 15. Jubiläum von Our Version of Events wieder auf Tour. Meine Tickets für München am 6. März habe ich schon. Und nach diesem Wiederhören freue ich mich umso mehr darauf.

Bis dahin ist diese Aufnahme für mich eines jener Live-Alben, die man im Regal haben sollte. Und vor allem eines, das man immer wieder auflegen möchte.

Quellen zum Artikel

Royal Albert Hall: Konzertarchiv

Universal Music: Live-Veröffentlichung

Bonedo: Emeli Sandé im Songwriting-Interview

Capital: Die Geschichte hinter „Clown“

The Quietus: Interview zu „Breaking the Law“

Werksviertel-Mitte: München

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